Manchmal merkt man, dass man am Ende eines Weges angekommen ist. Man begreift, dass etwas zu Ende geht. Nichts geht weiter und man selbst bleibt stehen. Nun kann man zwei Dinge machen. Entweder man sucht einen neuen Weg und geht diesen – auch wenn er schwer, steinig und hart ist – oder man bleibt stehen, hört auf den gewohnten Trott und verkümmert langsam. Langsam aber sicher. Aber woher nimmt man die Kraft einen neuen, noch nicht existenten Weg zu gehen? Woher bezieht man die Energie, die Steine die auf diesem Weg liegen aus dem Weg zu räumen und überhaupt wie soll der Weg verlaufen, den man gehen möchte?

Wir beginnen uns an gewohnte Sicherheiten zu klammern, atmen ein, atmen aus und wissen, dass alles beim alten ist. Die Qualen und Leiden werden wir schon ertragen, irgendwie. Hauptsache, wir sind in Sicherheit – eine trügerische Sicherheit, die vielleicht nur in unseren Köpfen existiert. Vielleicht. Der monatliche Gehaltsscheck, der wöchentliche Sex, das tägliche Frühstück – all das erscheint uns sicher, vertraut – es gehört dazu. Bricht irgendetwas weg, auch nur die kleinste Kleinigkeit, bekommen wir Angst und beginnen uns an das zu klammern, was noch da ist. Viele Menschen liegen neben ihren total verschrotteten Karren in der Hoffnung dass diese irgendwann wieder anspringen.
Die Tage kommen, die Tage gehen, die Monate ziehen ins Land und Jahre vergehen. Während dieser Zeit atmen wir ein und aus, ein und aus, ein und aus. Wir nehmen vieles hin, glauben an dieses und jenes und vergessen uns dabei selbst. Wir hören auf das Diktat, akzeptieren, dass aus unseren Jugendträumen nie etwas wird, schneiden uns die Haare, hören auf den Einheitsbrei, laufen in der Menge und schwimmen mit dem Strom. Wo so viele Menschen hingehen, kann es nur in Ordnung sein. Wir akzeptieren die Meinungen der anderen und schlimmer noch, wir nehmen sie an. Wir machen sie zu unserer Meinung ohne darüber nachzudenken, ob diese Meinung für uns die Wahrheit ist. Es ist so schön einfach, so bequem.
Außen wie Innen
Dabei ist das Geheimnis so einfach. Außen wie Innen. Oben wie Unten. Alles ist eins, alles gleich. Das ganze Leben ist ein einfacher Fluss in dem alles fließt. Alles ist eins und alles sind wir. Was sich hier anhört wie esoterisches Einheitsgebrabbel ist meine Meinung und das, obwohl ich von Esoterik soviel Ahnung habe wie ein Elefant vom Fliegen. Ich glaube auch nicht, dass das so ein Esoterik-Scheiß ist, denn ich halte es für eine grundlegende Wahrheit und das Beste daran: Ich habe es verstanden. Innen ist Außen, oben ist unten.
Die Einstellung zum Leben macht den Unterschied. Die Sichtweise wie wir die Dinge sehen. Wir können glauben, dass wir in unserem Leben fett erfolgreich werden, oder eben nicht. Ganz egal, wir haben auf jeden Fall recht. Innen wie Außen. So, wie wir in unserem Inneren, in unseren Gedanken, Worten und Werken leben, so leben wir auch außen. Glauben wir daran etwas nicht erreichen zu können, haben wir recht. Glauben wir, dass wir etwas erreichen können, stimmt das auch. Wir haben in jedem Fall recht. Immer.
Hermann Hesse sagte einmal, dass das Mögliche nur entsteht, wenn das Unmögliche versucht wird. Marie von Eschenbach behauptete, dass wenn es einen Glauben gäbe, der imstande wäre Berge zu versetzen, dann wäre es der Glaube an die eigene Kraft. Und dass die Begrenzung, das Morgen zu verwirklichen unsere Zweifel von heute sind, wusste schon Franklin D. Roosevelt.
Das Wichtigste ist, was wir über uns selbst denken…
Wichtig ist, ein Bild von sich zu haben, eine Idee. Keine unklare Vorstellung, kein wäre schön wenn es so wäre. Uns allen geht es so, dass wir uns oft wünschen wie es wäre wenn, aber unsere Erziehung und unser Umfeld haut uns dann eh einen in die Fresse und sagt: „So geht das aber nicht.“ Den meisten Menschen geht das so. Wir lernen in der Schule zu rechnen, zu schreiben – was sehr wichtig ist. Man bringt uns bei, wann Hannibal über die Alpen geschlendert ist, was nach dem Akt als solches passiert und wie viel Haare eine durchschnittliche Hummel hat. Aber an uns selbst zu glauben, dass zeigt uns niemand. Niemals. Das müssen wir schon alleine lernen – und das ist sicherlich nicht die einfachste Lektion im Spiel welches sich Leben nennt.
—
Foto: goshina / photocase.com



Sehr geil.
Du hast es mal wieder geschafft, mich im Herz zu berühren. Ich muss jetzt erst einmal nachdenken, ehe ich, wenn überhaupt, etwas ergänzen/beitragen kann.
Danke!
Ich fühle mich angesprochen davon. Sehr. Und frage mich, wieso… weil Texte dieser Art “Pop” sind und automatisch jeden irgendwie ansprechen? (Element Of Crime nannten das “Aldi-Weisheit”…)(aber das wäre blöd und würde kein gutes Licht auf die Leute werfen, denn man sollte doch annehmen, daß jeder, der sich von sowas wirklich “getroffen” fühlt, auch anfangen würde, entsprechende Veränderungen im Leben vorzunehmen).
Oder: kenne ich Leute, die sich nicht angesprochen fühlen würden? (oder solche, die nur glauben, sich angesprochen zu fühlen, weil sie das irgendwie, konditionierterweise, von sich erwarten?)
Oder: gab es/ gibt es Zeitpunkte in meinem Leben, an denen *ich* mich davon nicht angesprochen fühl(t)e(n würde)? Kein Plan, gerade… aber über dieses Blog gestolpert zu sein, ist ne Bereicherung.
Haben wir schon wieder Vollmond?
Schöner Text, Herr L.!
@Piet: Danke.

@Pssst!: Freut mich, dass ich Dein Herz berührt habe!
@xconroy: Ein sehr interessanter Kommentar. Aber leider kann ich Dir darauf nicht antworten, denn das musst Du alleine mit Dir ausmachen. Freut mich aber, dass dieser Blog eine Bereicherung in Deinen Augen ist. Dann habe ich ja was richtig gemacht!
@MC Winkel: Vollmond?
Wg. Vollmond? Also ich werde da immer etwas melancholisch. Dachte, Dir geht es ähnlich?!
@mc: vielleicht ist es einfach nur PMS? *duck*
[...] “Manchmal merkt man, dass man am Ende eines Weges angekommen ist. Man begreift, dass etwas zu Ende geht. Nichts geht weiter und man selbst bleibt stehen. Nun kann man zwei Dinge machen. Entweder man sucht einen neuen Weg und geht diesen – auch wenn er schwer, steinig und hart ist – oder man bleibt stehen, hört auf den gewohnten Trott und verkümmert langsam.” (Thorsten – Außen wie Innen) [...]