Ich möchte nicht von mir behaupten, ein großer Schreiberling zu sein. Auch möchte ich mir nicht anmaßen mit einem gewissen Talent für Schreiben gesegnet worden zu sein. Lediglich möchte ich sagen, dass ich ein gewisses Gespür für die richtige Anordnung von Buchstaben und Worten habe. In gewissem Maße, so zu sagen. Ich denke, nein ich hoffe, dass die Texte die ich schreibe leicht verständlich sind. Sichersein kann ich mir aber nicht. Anders geht es da einem jungen Mann, den ich vor wenigen Tagen auf einer Sitzung traf. Dieser Mann war sogar sehr von sich überzeugt, was mir wiederum ein ungutes Gefühl bescherte.

„Ich kann schreiben. Ich kann sogar sehr gut schreiben“, sagte jener junge Mann auf der eben erwähnten Sitzung. „Doch, ich möchte sagen, dass ich es als Texter in einer pfiffigen Werbeagentur sicher zu etwas bringen würde. Ich weiß was Menschen hören möchten, ich weiß wie man Menschen Dinge beschreibt damit diese die selbigen sofort ihr eigen nennen möchten. Ja, ich hab´s einfach drauf.“ Ohne arrogant und überheblich wirken zu wollen, lehnte ich mich im Sitzungssessel zurück und dachte bei mir, dass der Mann es sicherlich drauf hatte, aber nur an den Hüften. Ich möchte hier nicht sagen, dass der Mann fett war, aber er war es. Natürlich kann ich aufgrund des Körpergewichtes nicht auf Talente oder Fähigkeiten schließen. Darf ich auch gar nicht. Aber dieser Mann war mir einfach so unsympathisch wie grobe, fette Leberwurst.

Dieses selbstgefällige und „ich-bin-ja-so-ein-geiler-Typ-Gehabe“ ging mir einfach auf den Sack. Ich machte auf der Sitzfläche unter meinem Hintern kehrt und schaute einfach in eine andere Richtung. Zu gerne hätte ich ihm einen Stift, ein Blatt Papier und ein saftiges Thema vor den dicken Wamst geknallt und ihn gebeten, mir doch einige Zeilen zu schreiben. Und ganz sicher wäre ich enttäuscht worden, hätte eine Träne vergossen und meine Trauer in Alkohol ertrinken müssen. Das tat ich auch nicht, brauchte ich auch nicht. Am Nachbartisch saß ein Mann, der die Worte des jungen, stark übergewichtigen Mannes hörte. Anscheinend schien er ihn zu kennen. Aus der Schule. Genauer gesagt, aus dem Leistungskurs Deutsch.

„Werbetexter? Du? Für Bratwurst vielleicht, oder ne billige Frittenbude. Aber Produkte verkaufen? Davon hast Du doch keine Ahnung.“ Es schien interessant zu werden. Der Mann, der das Wort erhob, war ein schlanker, durchtrainierter Junger Mann mit feschem Kurzhaarschnitt. Er trug einen beigen S. Oliver Anzug, ein kariertes Hemd und eine einfarbige Krawatte. Auf seinem Tisch lag eine edle Schreibmatte, schwarzes Wasserbüffelleder. Auf dem Umschlag war ein Logo eingeprägt, welches ich leider nicht erkennen konnte. Daneben stand ein Glas Wasser.

Der junge Mann erschrak. So schnell er eben konnte, drehte er seinen Stuhl um zu sehen, woher diese Stimme kam. Leichte Röte stieg im ins Gesicht und seine Körperhaltung sackte in sich zusammen. Seine Körpersprache sprach Bände.


Foto: Flickr / lejoe

2 Meinungen zu “Falsche Vorstellungen”

  1. MC Winkel sagt:

    :)

    … aber zu eienr Schlägerei ist es nicht gekommen, Herr L.?

    Den mit den Hüften hab’ ich länger nicht gehört! :)

  2. Torsten sagt:

    Nein, natürlich nicht. Ich würde mich niemals schlagen, Herr Winkelsen. Niemals!

Hinterlasse Deine Meinung

  • Was gibts Neues?

    Die Artikel der Fabrik kannst Du per ::Reader oder per ::Email abonnieren.

Hol Dir den aktuellen EMP Katalog

    EMP
PIRGOFABRIK TV

About Me

Twitter

    Twitter

    Photos

    Die Pirgofabrik wird präsentiert von:

    Torsten Luttmann

    Wordpress

    web2feel