Es war ganz normaler Sonntagmorgen in dem kleinen Dorf Littlewerder. Die Sonne schien vom Himmel herab und der Frost hat die Natur immer noch fest im Griff. Und während sich einige der Bürger zum all sonntäglichen Kirchgang aufmachten, blieben andere diesem fern und beobachteten stattdessen lieber ihre Kinder, die vergnügt und fröhlich auf dem frisch freigeräumten Hof spielten. Wie gesagt, es war ein ganz normaler Sonntagmorgen in Littlewerder, eigentlich, denn unter dem Mantel der Normalität brodelte es gewaltig.
Der Vorhof der altehrwürdigen Kirche im Dorf ist nach jeder Messe ein beliebter Sammel- und Begegnungsplatz der Dorfbewohner. Die Frauen sprechen hier über dieses und jenes und die Männer rotten sich zusammen um dann gemeinsam in die alte Dorfkneipe zu gehen um gemeinsam ein paar Bierchen zu trinken. Frühshoppen, also. An diesem Sonntag aber, blieben die Leute länger als gewöhnlich vor der Kirche stehen, denn es gab zwei Themen, die die Männer und die Frauen gleichermaßen interessierten: Die bevorstehende Trennung von Angelika und Reinhold Langemeier und Klötenmeiers Erwin, der quasi über Nacht vom unbescholtenen Bürger zum mehrfachen Verbrecher wurde.
Und während das Thema von den Langemeiers schnell abgehandelt werden konnte, musste man sich für Klötenmeiers Erwin doch ein wenig mehr Zeit nehmen. Da machte auch der Frost nichts, der an den Nasen und Ohren der Gläubigen zu rütteln schien, dieses Thema war so brisant, da musste man sich einfach Zeit nehmen.
Beim letzten Kohlgang des örtlichen Schützenvereins sind nämlich die Sicherungen von Klötenmeiers Erwin durchgebrannt. Er bemerkte nämlich in einer Siedlung, dass bei einem Haus die Jalousien noch heruntergelassen waren. Das konnte nichts Gutes bedeuten und Klötenmeiers Erwin vermutete sogleich einen Mord. Leider hatte er sich bei seinen Ermittlungen diesbezüglich nicht sonderlich geschickt angestellt, was mitunter auch an dem Promillegehalt in seinem Blut gelegen haben könnte. Der Bewohner des Hauses, ein gewisser Herr Schmarlotski hatte Klötenmeiers Erwin vor seinem Haus erwischt und sogleich die Polizei angerufen. Da der Dorfpolizist gleichzeitig Klötenmeiers Schwager war, wiegte dieser sich in Sicherheit. Der Mord, der hinter den verschlossenen Fenstern geschehen war, würde sich dann sicherlich aufklären.
Doch leider gab es nichts, was hätte aufgeklärt werden müssen. Der Herr Schmarlotski war ein Arbeiter aus der Käsefabrik in der Nachbargemeinde und hatte in jener Nacht Nachtdienst geschoben und hatte es sich daher erlaubt am helllichten Tage zu schlafen. Das ist natürlich kein Verbrechen. Und so kam es, dass Schmarlotski Klötenmeier bei seinem Schwager anzeigen wollte. Zunächst nur wegen Hausfriedensbruch. Das machte Klötenmeier so sauer, dass er dem Schmarlotski an Ort und Stelle eine auf die Fresse schlug. Ok, er schlug insgesamt dreimal zu. Darauf folgte eine Anzeige wegen Körperverletzung. Das verstand Klötenmeier nun überhaupt nicht und trat wutentbrannt gegen den Rückspiegel des Audi A3, welcher in der Auffahrt des Hofes stand. Auch hier musste der Schwager von Klötenmeier eine Anzeige aufnehmen. Sachbeschädigung.
Klötenmeier verstand die Welt nicht mehr und fragte seinen Schwager, ob er denn noch alle Latten am Zaun hätte. Er wäre ja wohl nicht ganz dicht. Beamtenbeleidigung. Nun schlug Klötenmeier auch seinem Schwager aufs Maul. Was folgte war eine weitere Anzeige wegen Körperverletzung. Bersemann, der Polizist und Schwager von Klötenmeier wollte diesen darauf abführen und über Nacht auf dem Revier behalten. Das ließ Klötenmeier sich natürlich nicht gefallen und versuchte seinem Schwager noch mal aufs Maul zu hauen. Hier notierte sich Bersemann dann: Wiederstand gegen die Staatsgewalt.
Langemeiers Reinhold, der dem ganzen Treiben vom Straßenrand aus zugesehen hat, schaffte es dann letztendlich Klötenmeier zu beruhigen. Gemeinsam mit ihm stieg er in den Streifenwagen ein und half Bersemann den völlig verstörten Klötenmeier in eine Zelle zu schaffen, wo dieser seinen Rausch ausschlafen konnte.
Ja, die Geschichte von Klötenmeiers Erwin bewegte die Gemüter und jeder konnte der Geschichte etwas beisteuern. Es wurde aufgebauscht und hochgepuscht, jeder, der früher etwas mit Klötenmeier zu tun hatte, wusste, dass in ihm irgendwann der Amokläufer ausbrechen würde. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen. Alle konnten etwas dazu sagen und jeder wusste Bescheid. Nur einer nicht. Bregenkötters Karl saß auf seiner Puch Maxi N und fuhr über den dichtgefrorenen Sandweg ins Feld. Schwer bepackt und mit dicken Klamotten brach er durch Wald und Flur um dem lieben Wild in der Not zu helfen…







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